Flamenco

Zehn Dinge, die Sie über den Flamenco wissen sollten

Der Flamenco ist eine der wichtigsten musikalischen Ausdrücke der spanischen Folklore und gilt als universelle Kunst. 2010 wurde er zum Immateriellen Kulturerbe der Menschheit erklärt. Seinen Ursprung finden wir Ende des XVIII Jahrhunderts in Andalusien. Er wird speziell mit den Zigeunern in Verbindung gebracht, die ihm seine endgültige Identität verliehen haben. Wenn wir vom Flamenco sprechen, dann dreht sich alles um den Gesang, Tanz und Klatschen, was sowohl in einer Gruppe aber auch individuell dargeboten wird. Oft ist der Flamenco mit dem sogenannten cante jondo verbunden, eine andalusische Mundart, die für die meisten Studierten, nur die primitiven Gesänge umfasst und nicht die verschiedenen Stilrichtungen, die danach entstanden.

1. Von wo kommt der Begriff flamenco und was ist seine Bedeutung?

Es gibt mehrere Theorien, um die Etymologie des Begriffs flamenco zu erklären. Eine der momentan meist verbreiteten und akzeptierten Theorien ist die, die der Professor und Musikwissenschaftler Manuel García Matos vertritt. Laut ihm stammt der Begriff flamenco aus dem Argot Ende des XVIII und Anfang des XIX Jahrhunderts und bedeutet “Prahler” oder “eitel”. Deshalb wird in Andalusien noch der Begriff “no te pongas flamenco!” (stelle dich nicht „flamenco“ an) verwendet, was ungefähr bedeutet: “Sei nicht so ein Angeber”. Es dauerte bis zum XIX Jahrhundert, als der Begriff flamenco plötzlich - exklusiv für Andalusier – gitano (Zigeuner) bedeutete, was sich durch die folgende lexikalische Bedeutung erklärt: flamancia (von llama) was feurig oder leidenschaftlich bedeutet.

Grupo flamenco femenino de Antonia Jeroma María y Magdalena Loreto (1889)

Antonia Jeroma María, Magdalena Loreto

2. Welches ist der Ursprung des Flamencos als Genre?

Wir müssen bis zum Ursprung der Tonadillo-Sänger des XVIII Jahrhunderts zurückgehen, um einen gewissen musikalischen Einfluss mit dem Flamenco zu finden. Diese Art von Schwank aus dem 18. Jahrhundert war im XIX Jahrhundert, zusammen mit dem Eifer, der durch den Anfang des andalusischen Costumbrismo aufkam, die Grundlage eines Musikgenres, das aufgrund der Singenden Cafés seinen Höhepunkt erlebte. Bei den Cafés handelte es sich um Schauplätze, die es schafften, das tiefe Gefühl der mestizischen und andalusischen Kultur zum Ausdruck zu bringen. So entstanden die ersten primitiven Stilrichtungen des Flamencos. Silverio Franconetti (Sohn eines Italieners und einer Andalusierin) eröffnete 1881 in Sevilla das erste Singende Flamenco Café, das als Ausgangspunkt des Flamencos als Genre und Bekundung angesehen wird.

Emily-Beauchy-Cafe-cantante

Emily Beauchy, Singenden Cafés

3. Die Förderer und Schöpfer des Flamencos

Anfang des XX Jahrhunderts hat sich der Genre des Flamencos so gut wie gebildet. Dies verdanken wir Flamencosängern wie Antonio Chacón, Manuel Torre oder Pastora Pavón “La niña de los peines”, die in ganz Andalusien verschiedene Varianten einführen und formen, sowie an der Kreation neuer Gesänge und Stilrichtungen teilnehmen. Etwas später kümmerte sich Antonio Mairena  darum, die Flamencomuster in den Himmel zu heben. Auch die Welt der Gitarre genießt großes Ansehen und dient als Leitfaden für die Kreation einer ganzen Strömung, die dazu geführt hat, dass die Gitarre als Protagonist fast den Stellenwert des Gesangs erreicht. Der Meister Patiño, Begleiter von Silverio, war einer der großen Förderer der Gitarrenentwicklung.

La-niña-de-los-Peines

La niña de los peines

4. Basisstruktur des Flamencogesangs

Ohne auf extrem komplexe Fragen einzugehen, teilt sich die klassische und einfachste Struktur des Flamencogesangs wie folgt auf: Einführung der Gitarre, Anfang (der Flamencosänger stimmt die “ayes” eines jeden Gesangs an), Vorbereitungsgesang (das erste Drittel oder erster Gesang), mutiger Gesang (der Flamencosänger bietet seine vokalen Qualitäten dar und verbindet Verse ohne zu atmen oder mit schwierigen Melodien) und der Abschluss (Ende des Gesangs, bei dem der Rhythmus schneller und der Ton geändert wird). Es gibt zwei große Gruppen, je nach melodischem Charakter eines Gesangs: die fröhlichen (auch festliche genannt) und die dramatischen (strengeren) Gesänge.

Cantes andaluces de la Pasión - DISCOTECA PAX - F-356 (1966)

Cantes andaluces de la Pasión

5. Was sind palos flamencos?

Unter palos flamencos versteht man jede einzelne Stilrichtung, die für dieses Genre existiert. Hauptsächlich gibt es generische Varianten, die gleichzeitig andere Gesänge mit musikalischen Ähnlichkeiten enthalten. Unter anderen gibt es Soleares (Bulerías, Bamberas oder Cañas), Cantiñas (Alegrías oder Caracoles), Seguiriyas (Livianas oder Serranas), nur Gesang (Tonás, Martinetes, Saetas oder Carceleras), Fandangos, Malagueñas (Verdiales, Rondeñas oder Granaínas), Cantes de Levante (Tarantas oder Mineras), Tangos (Garrotines, Farrucas oder Tanguillos), Gesang amerikanischen Ursprungs (Colombianas,  Guajiras oder Peteneras), Folkloregesang (Sevillanas, Weihnachtslieder, Campanilleros oder Zorongos) usw..

Manolo Sanlucar - Recital flamenco (Portada)

Manolo Sanlúcar

6. Die Flamencologie

Unter diesem Begriff versteht man das Flamencostudium unter einem anthropologischen Gesichtspunkt und kreiert mit ihr eine Einheit von Veröffentlichungen, Nachforschungen und Promotionen, die als Methodik für ihre Verbreitung und Erhaltung dienen. Innerhalb dieser Strömung müssen wir die Organisation des I Nationalen Cante Jondo Wettbewerbs in Cordoba im Jahr 1956 erwähnen, die Kreation des ersten Lehrstuhls für Flamencologie im Jahr 1958 und die Organisation zahlreicher nationaler und internationaler Festivals. Heute ist der Flamenco Teil eines umfangreichen Katalogs von akademischen Doktorwürden und es gibt unzählige Gesangs- und Tanzschulen, die auf der ganzen Welt verteilt sind.

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Cante Jondo, Federico García Lorca

7. Vom orthodoxen Flamenco zum aktuellen und fusionierten Flamenco

Es ist schwer zu ignorieren, dass, nach Jahren, in denen der orthodoxen Flamenco gepflegt wurde, auch Flamencosänger und Gitarristen auftauchten, die dem Flamenco einen neuen Impuls gaben und es damit schafften, von den Konservativen eine bestimmte Kritik zu bekommen. So wurden bereits schon früh die Veränderungen in der Konzeption  des Flamencos als geschlossenes Genre eingeführt und es wurde begonnen z. B. Flamencovarianten zu orchestrieren, wobei Sprechgesänge oder andere Stilrichtungen (Jazz, brasilianische oder arabische Musik) hinzugefügt wurden und Instrumente aus verschiedenen Punkten der Geografie eingeführt wurden und dem Flamenco eine zeitgenössische Rolle zu geben. Flamencosänger wie Canalejas de Puerto Real, Pepe Marchena oder aktuellere wir Camarón de la Isla, El Lebrijano und Enrique Morente übermittelten eine neue Dimension. Paco de Lucía oder Manolo Sanlúcar machten das gleiche mit der Gitarre.

Camarón de la Isla - Con Paco de Lucía

Camarón de la Isla, Paco de Lucía

8. Der Flamencotanz

Parallel zum Gesang hat der Flamenco eine bedeutende und wachsende Evolution beim Tanz entwickelt und sich unter den Tänzen als eigener Stil entwickelt. Ursprünglich wurde in den Innenhöfen und Kneipen getanzt. Später waren es die Singenden Cafés, wo der Tanz seine Identität ausbaute, nicht zuletzt dank der Holzböden, die den zapateado besonders in den Vordergrund heben. Aber die definitive Konsolidierung des Tanzes ist zweifelsohne seine Eingliederung in die Flamenco-Ballets in choreografischen Darbietungen und in unzähligen Filmen und Theaterstücken. Namen wie die von La Argentinita und ihre Schwester Pilar López, La Malena, Carmen Amaya oder aktuellere Namen wie Matilde Coral, Manuela Carrasco, Cristina Hoyos oder der junge Israel Galván sind in dieser Kunst unentbehrlich. 2006 wurde in Sevilla das weltweit erste und einzige Museum für Flamencotanz eröffnet.

Carmen Amaya bailando en 'Los Tarantos' (1963)

Carmen Amaya, Los Tarantos

9. Der Flamenco in der Kunst

Viele Künste haben den Flamenco minuziös neu interpretiert. Zum Beispiel haben sich die Costumbristas García Ramos – aus einer optimistischen und banalen Sichtweise – oder Romero de Torres – Liebhaber von Symbolen – sowie der Satiriker Gutiérrez Solana  am Flamenco inspiriert. Auch im Kino war der Einfluss des Flamencos im Laufe der Jahre immer präsent. Pastora Imperio war Pionierin auf der Leinwand und später folgte eine lange Liste an Filmtiteln, bei denen die Hauptdarsteller Flamencotänzer oder -sänger waren. Es wurden neue Filmressourcen geschaffen (mit Choreografien und Ballets), die mehr Realismus und eine höhere Größenordnung erreichten. Die Poesie, Bildhauerkunst oder Fotografie sind Teil einer langen Liste von Künsten, die ihre eigene Ansicht des Flamencos darbieten.

El amor brujo - Film (1986)

El amor brujo

10. Der Flamenco auf den fünf Kontinenten

Heute gibt es kein Erdteil, auf dem der Flamenco noch nicht angekommen ist, sei es durch Shows oder durch die Kreation spezieller Schulen.  Besonders erwähnenswert sind Japan (wo es mehr Schulen gibt, als in Spanien) oder die lateinamerikanischen Länder wie Costa Rica, Mexiko, Puerto Rico oder Guatemala. Der Flamenco ist auch in Afrika zu  finden und selbst in Australien werden Live-Shows organisiert. Warum ist das so? Vielleicht weil der Flamenco das Gefühl, den Ausdruck und die Identität einer universellen Kunst gleichsam vereint.

Cartel - Flamenco en Japón

Flamenco, Japan

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